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Erfahrungsberichte
Manchmal ist es ein Unfall, manchmal eine Rückenerkrankung – und immer öfter eine psychische Erkrankung, die zum beruflichen „Aus“ führt. Aber zum Glück hat die deutsche Gesetzgebung mit der beruflichen Rehabilitation eine Möglichkeit zur Rückkehr ins Arbeitsleben geschaffen. Lesen Sie hier ermutigende Beispiele von Menschen, die eine neue Perspektive im Leben fanden.
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Depressionen - Neuanfang mit einer beruflichen Rehabilitation
Mit Hilfe einer Umschulung kämpft sich Anja V. trotz Depression in ein selbstständiges Leben
Anja V. ist im Leben angekommen. Die 32-Jährige ist vor ein paar Monaten das erste Mal Mutter geworden. Wegen Töchterchen Charlotte nimmt sie gerade eine Auszeit von ihrem ersten richtigen Job. Dafür, dass es ihr heute gut geht, hat Anja V. lange hart arbeiten und eine schwierige Vergangenheit überwinden müssen.
Die eigene Jugend verbrachte die junge Frau in Heimen und Kliniken. Infolge traumatisie- render Kindheitserlebnisse litt sie an einer schweren Depression – das Lernen blieb da- bei auf der Strecke. Nach der siebten Klasse war Schluss mit der Schule. Erst mit Anfang 20 begann sich das Blatt zu wenden: „Im Heim in Salzgitter lernte ich eine Betreuerin kennen, die mich unterstützen wollte“, sagt Anja V. „Nach einigem Zögern fragte ich sie: Hilfst du mir jetzt?“. Ihre „Ziehmutter“, wie sie ihre Unterstützerin nennt, lernte mit ihrem Schützling für die Schule und half der jungen Frau dabei, selbstständiger zu werden. Mit Erfolg: Mit 25 schaffte Anja V. den erweiterten Realschulabschluss. Und arbeiten wollte sie natürlich auch. Viele Berufe seien für sie interessant gewesen und überall habe sie sich beworben.
Doch mit der Ausbildung klappte es nicht – bis ihr die Agentur für Arbeit eine krankheitsbedingte Umschulung im Berufsförderungswerk (BFW) Bad Pyrmont bewilligte: Hier bekommen Menschen eine zweite Chance im Arbeitsleben – für Anja V., die noch immer mit ihrer psychischen Erkrankung kämpfte, war es mit Mitte 20 die erste. „Diese Möglichkeit wollte ich mir nicht entgehen lassen. Ich habe mich wirklich ins Zeug gelegt“, so die 32-Jährige. Mit dem Ziel fest vor Augen hat Anja V. während ihrer beruflichen Rehabilitation viel Zeit für das Lernen investiert. In Mathematik nahm sie das Förderangebot der Nachhilfe in Anspruch. Ein Sozialarbeiter bewältigte mit ihr private Probleme. Denn das selbstständige Wohnen im Internat des BFW war neu für die junge Frau, die zuletzt im betreuten Wohnen lebte. Mit organisatorischen Dingen oder Behördenangelegenheiten hatte sie beispielsweise ihre Schwierigkeiten. „Persönlich habe ich mich zum eigenen Erstaunen in dieser Zeit sehr verändert“, sagt Anja V. Sie habe gelernt, mit Frust und Stress umzugehen, sei ruhiger und psychisch viel stabiler geworden. Auch privat hat die junge Frau im BFW Bad Pyrmont ihr Glück gefunden: In der Ausbildung lernte die frischgebackene Orthopädiemechanikerin den Güstrower Karsten B. kennen – den Vater der kleinen Charlotte. Beide leben inzwischen gemeinsam in Wolfenbüttel. Anja V. fand in ihrer Wahlheimat Arbeit in einem Sanitätshaus, wo sie bis zur Geburt ihrer Tochter zum Beispiel Prothesen goss und Einlagen herstellte. Karsten B. ist mittlerweile ebenfalls dort beschäftigt.

