Rückkehr in den Beruf nach Krankheit oder Unfall


Erfahrungsberichte


Manchmal ist es ein Unfall, manchmal eine Rückenerkrankung – und immer öfter eine psychische Erkrankung, die zum beruflichen „Aus“ führt. Aber zum Glück hat die deutsche Gesetzgebung mit der beruflichen Rehabilitation eine Möglichkeit zur Rückkehr ins Arbeitsleben geschaffen. Lesen Sie hier ermutigende Beispiele von Menschen, die eine neue Perspektive im Leben fanden.


Der Schmerz wurde zum Neubeginn

 

Eine Verschleißerkrankung wurde für Manuela R. zum beruflichen Neustart

 

Die Schmerzen im Knie ignorierte Manuela R. lange Zeit. Stattdessen packte sie weiterhin kräftig mit an, um die Regale in „ihrem“ Lebensmitteldiscounter aufzufüllen. So, wie sie es gewohnt war in den letzten 17 Jahren. „In der ganzen Zeit war ich nie krank“, erzählt die Powerfrau. Ihre Knieschmerzen verharmloste sie so lange, bis sie unerträglich wurden – und am Ende ihre Arbeit unmöglich machten. Erst eine Umschulung half ihr dann dabei, wieder beruflichen Boden unter den Füßen zu bekommen.

 


Dass die Knieschmerzen ernster Natur waren, machte ihr der Arzt deutlich - er diagnostizierte bei Manuela R. 2006 Knorpelverschleiß und versprach Besserung nach einer Operation. „Nach zwei Wochen stand ich wieder Gewehr bei Fuß“, erinnert sich die zweifache Mutter noch genau. Als Filialleiterin habe sie sich dazu verpflichtet gefühlt, gibt sie zu, zumal „ihr“ Discounter unter chronischem Personalmangel gelitten habe. Doch die verfrühte Rückkehr an den Arbeitsplatz rächte sich: Das Knie wurde wieder dick und als selbst die Punktionen keinen Erfolg mehr brachten, setzten die Ärzte einen zweiten OP-Termin an. „Aber es kam noch schlimmer“, erzählt die Grimmnerin. Im Mai 2007 sollte ein künstliches Kniegelenk eingesetzt werden. „Zu diesem Zeitpunkt war ich 44 Jahre alt. Die Situation konnte und wollte ich so nicht akzeptieren“, bekennt sie und sagte den OP-Termin schließlich wieder ab. In dieser Zeit sei ihr bewusst geworden, dass es keine Rückkehr mehr in ihrem alten Beruf gab. „Dazu war die Arbeit einfach körperlich zu schwer.“ Sehr schmerzhaft sei die Erfahrung gewesen, dass von Seiten ihres Arbeitgebers absolute Funkstille herrschte: Null Kontakt, keine Angebote, keine Unterstützung. „Letztendlich musste ich sogar noch selbst kündigen“, sagt Manuela R., der dieser Abschied sehr schwer gefallen ist.

 

Das Loslassen von der alten Firma gelang ihr erst mit einer beruflichen Neuorientierung. Maßgeblich beteiligt war daran ein Arzt, der ihr die Möglichkeit einer Umschulung über den Rentenversicherungsträger eröffnete. Ein entsprechender Antrag wurde gleich im ersten Anlauf genehmigt. Ein Funken Hoffnung für  Manuela R. Am 1. April 2008 begann sie im Berufsförderungswerk Stralsund ihre Umschulung zur Bürokauffrau – eine Ausbildung, die sie in zwei Jahren vor allem in Buchhaltung und Steuern sattelfest machte. „Die Ausbildung hat mir viel gebracht“, betont sie. Auch ihre beiden Praktika nutzte sie, um sich auf ihren künftigen Job als Vermögensberaterin vorzubereiten.

 

Am 3. Juli 2010 bezog sie ihr eigenes Büro und erledigt hier zunächst noch für ihren Mann, der ebenfalls Vermögensberater ist, den „Büro- und Schreibkram“. Parallel dazu will sie sich das Know-how für die eigene Selbstständigkeit aneignen. „Im nächsten Jahr will ich soweit sein“, plant sie. Dann will Manuela R. als Vermögensberaterin mit dem Schwerpunkt Beratung von Frauen selbstständig ihr eigenes Geld verdienen. Und ihr Knie? „Das ist – wie ich – zur Ruhe gekommen und bereitet mir gegenwärtig kaum Probleme“,  ist Manuela R. heute rundum zufrieden.