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Erfahrungsberichte
Manchmal ist es ein Unfall, manchmal eine Rückenerkrankung – und immer öfter eine psychische Erkrankung, die zum beruflichen „Aus“ führt. Aber zum Glück hat die deutsche Gesetzgebung mit der beruflichen Rehabilitation eine Möglichkeit zur Rückkehr ins Arbeitsleben geschaffen. Lesen Sie hier ermutigende Beispiele von Menschen, die eine neue Perspektive im Leben fanden.
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Neue Chance nach langer Arbeitslosigkeit
Eine Kinderpflegerin wird Industriekauffrau
Acht Jahre lang war Helga M. Kinderpflegerin. „Die Arbeit hat mir Spaß gemacht“, sagt die 35-Jährige. Aber das Heben der Kinder bereitete ihr mit der Zeit Rückenschmerzen, manches Mal stand sie kurz vor einem Bandscheibenvorfall. Als dann auch noch das Gefühl des Mobbings dazu kam, sah die junge Frau keine andere Möglichkeit mehr, als ihren Job aufzugeben.
Die Zeit danach war hart: Arbeitslosigkeit, dazwischen immer wieder nur Aushilfstätigkeiten – aber keine Perspektive auf einen neuen Job. Bis Helga M. ins BFW München kam und dort mit einer Ausbildung zur Industriekauffrau die Weichen wieder auf Arbeit stellte. „Ich habe als Tupperberaterin, als Wareninspektorin, als Eisverkäuferin und im Hotel gearbeitet“, berichtet Helga M. über die rund acht Jahre ohne feste Arbeit. Das war keine einfache Zeit und Helga M. kämpfte unermüdlich darum, nicht in Hartz IV abzurutschen. Auch wenn sie sich fragte, wie es weitergehen sollte, so wusste sie doch: „Aufgeben kommt nicht in Frage!“ Einen Lichtblick brachte schließlich ihre Anfrage bei der Agentur für Arbeit nach einer beruflichen Rehabilitation. Die Bewilligung stand fest – doch in welchem Beruf sollte sich Helga M. ausbilden lassen? Am liebsten wollte die zierliche Frau aus Bayern Konditorin oder Fotografin werden, aber auch einen kaufmännischen Beruf konnte sie sich gut vorstellen. Fest stand für sie dabei, dass der neue Beruf nicht zu stressig oder hektisch sein dürfte und sichere Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt bieten sollte.
Eine Berufsfindung weist den Weg
Um Klarheit über ihre Stärken und Fähigkeiten sowie über ihre körperlichen Ressourcen zu bekommen, absolvierte sie einige Berufsfindungstests in einem Berufsförderungswerk. Dabei musste sich Helga M. schnell von dem Gedanken verabschieden, Konditorin werden zu können: „Ich bin nicht kräftig genug“, sagt sie, „mein Rücken hätte die Belastungen nicht mitmachen können.“ Als ideal stellte sich schließlich eine Bürotätigkeit in der Industrie heraus – hier würde sie so selbstständig arbeiten können, wie sie es sich wünschte und die Möglichkeit haben, in verschiedenen Bereichen zu arbeiten. Und ganz wichtig für sie: „Dieser Beruf ist sehr gefragt, und ich kann relativ sicher sein, nach der Umschulung einen festen Arbeitsplatz zu finden.“ Mit dem neuen Beruf ist sie auf dem richtigen Weg, freut sie sich, seitdem sie im Juni 2009 ihre Ausbildung im BFW München begonnen hat. Die ehemalige Kinderpflegerin hat hier bereits neue Freunde gefunden und schätzt es, dass sich die Teilnehmer untereinander unterstützen können. Vor allem aber konzentriert sie sich mit großer Disziplin auf die Ausbildung – auch wenn sie „das Lernen erst wieder lernen musste“, wie sie selbst eingesteht. Ihr Ziel steht fest: „Ich möchte so gut wie möglich sein, denn ich will etwas erreichen: eine Familie, ein Haus und dabei von meinem eigenen Geld leben und nicht vom Staat.“ Die Chance, die ihr das BFW mit der Qualifizierung zur Industriekauffrau geboten hat, hat sie daher ganz fest mit beiden Händen ergriffen.

