Rückkehr in den Beruf nach Krankheit oder Unfall


Erfahrungsberichte


Manchmal ist es ein Unfall, manchmal eine Rückenerkrankung – und immer öfter eine psychische Erkrankung, die zum beruflichen „Aus“ führt. Aber zum Glück hat die deutsche Gesetzgebung mit der beruflichen Rehabilitation eine Möglichkeit zur Rückkehr ins Arbeitsleben geschaffen. Lesen Sie hier ermutigende Beispiele von Menschen, die eine neue Perspektive im Leben fanden.


Neustart nach psychischer Erkrankung

Astrid Maria G.:
Erfolgreich in Männerdomäne

 

Dass sie heute ihr eigenes Geld verdient, ist für Astrid Maria G. vielleicht das Schönste an ihrem neuen Berufsleben. Nach einer psychischen Erkrankung steht sie als Feinwerkmechanikerin in einem typischen Männerberuf inzwischen erfolgreich ihre Frau – möglich macht es eine berufliche Rehabilitation in einem Berufsförderungswerk.


Ihre Startbedingungen waren alles andere als leicht. „Mit 15 Jahren flog ich erst vom Gymnasium und dann aus dem Elternhaus“, erinnert sich Astrid Maria G. Ohne abgeschlossene Schulausbildung hatte sie auch keine Chance auf eine Berufsausbildung. Eine harte Zeit begann für die junge Frau, die nicht ohne Spuren an ihr vorbeiging. „Borderline Syndrom“ so diagnostizierte offiziell ihr Arzt.

Doch eine Beraterin in der Agentur für Arbeit machte ihr Hoffnung: „Sie können mit einer beruflichen Rehabilitation Ihren Weg in das Arbeitsleben finden!“, versprach sie ihr. Und so kam Astrid Maria G. ins Berufsförderungswerk München, einer Einrichtung zur beruflichen Rehabilitation, nachdem sie sich gesundheitlich stabilisiert hatte.

In welche Richtung sie sich beruflich qualifizieren wollte, wusste die junge Münchnerin auch schon: „Ich wollte etwas Handwerkliches machen, das keinen Kundenkontakt erfordert“, sagt sie. Die Metallverarbeitung stellte sich als die richtige Branche heraus und hier begann Astrid Maria G. nach einem dreimonatigen Reha-Vorbereitungslehrgang, in dem ihre schulischen Kenntnisse aufgefrischt wurden, die Ausbildung zur Feinwerkmechanikerin. „Ich wundere mich darüber, dass dieser Arbeitsbereich als Männerdomäne gilt“, meint sie. „Dieser Beruf erfordert keine körperlichen Anstrengungen und schmutzig werden meine Hände nur ganz selten.“ 

Genau der richtige Beruf! Dass sie genau den richtigen Beruf erlernte, merkte die junge Frau schon in den ersten Monaten ihrer Ausbildung – und die letzte Bestätigung erhielt sie schließlich in ihrem Praktikum, das sie bei der Heinrich Nymphius GmbH in München absolvierte. „Meine Kollegen bei der Praktikumsfirma hätten mich schon damals am liebsten dabehalten“, weiß Astrid G. noch recht gut. „Auch mein Chef war äußerst zufrieden mit meiner Arbeit und versprach mir, mich nach der Prüfung sofort zu übernehmen.“ Kein Wunder, denn die junge Frau arbeitet nicht nur selbstständig und sorgfältig, sondern sprüht bei der Arbeit geradezu vor Begeisterung. Wie erfolgreich sie ihr Metier beherrscht, bewies sie dann auch im Anschluss an das Praktikum eindrücklich: Bei der Abschlussprüfung vor der IHK wurde sie Beste ihres Jahrganges im BFW München. Inzwischen arbeitet die 29-Jährige seit über einem Jahr in ihrem ehemaligen Praktikumsbetrieb. Gesundheitlich und beruflich geht es ihr heute gut – in der Werkstatt ist sie in ihrem Element. Mit den verschiedenen Werkstoffen – vom Kunststoff bis zu den unterschiedlichen Arten von Metall – zu arbeiten, mag sie an ihrem Beruf besonders. Vor allem aber freut sie sich, ihren Lebensunterhalt selbstständig zu erwerben – und will anderen Betroffenen Mut machen, ebenfalls beruflich neu durchzustarten. „Durchhalten lohnt sich!“, sagt sie, „die Chance auf einen Neuanfang gibt es.“