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Erfahrungsberichte
Manchmal ist es ein Unfall, manchmal eine Rückenerkrankung – und immer öfter eine psychische Erkrankung, die zum beruflichen „Aus“ führt. Aber zum Glück hat die deutsche Gesetzgebung mit der beruflichen Rehabilitation eine Möglichkeit zur Rückkehr ins Arbeitsleben geschaffen. Lesen Sie hier ermutigende Beispiele von Menschen, die eine neue Perspektive im Leben fanden.
Mit neuem Selbstbewusstsein zurück in den Beruf
Neue Perspektive durch IBRH-Maßnahme
Mechthild S. hatte immer ein offenes Ohr für die Kinder, spielte und lachte mit ihnen und kümmerte sich liebevoll um sie. Über 12 Jahre arbeitete die gelernte Erzieherin in einer Tageseinrichtung: „Das war mein absoluter Traumberuf.“ Doch dann erlitt die heute 46-Jährige einen Hörverlust – das machte die Arbeit im Kindergarten unmöglich. Im BFW Dortmund nahm sie an der hörtechnischen Grundqualifizierung teil und hat heute, neben neugewonnenem Selbstbewusstsein, auch einen neuen Job – als Assistentin der Geschäftsleitung in einer Apotheke.
Seit ihrem 18. Lebensjahr leidet Mechthild S. an Morbus Menière, einer Erkrankung des Innenohrs. Lange Zeit lebte sie damit weitgehend problemlos. Erst in den letzten Jahren kam es immer wieder zu Schwindelattacken, Übelkeit, Erbrechen: Ihr Hörvermögen auf dem linken Ohr verschlechterte sich kontinuierlich. Letztes Jahr dann ein Hörverlust auf dem rechten Ohr – für die Er- zieherin eine Katastrophe:„Das war für mich Stress pur, ich habe die Kinder nicht mehr verstanden.“ Die Hörgeräte konnten das Defizit nicht ausgleichen, im Gegenteil: Sie verstärkten die Geräuschkulisse im Kindergarten so sehr, dass Mechthild S. nicht mehr in der Lage war, die Stimmen zu filtern. Sie musste ihren Traumberuf aufgeben.
Die hörtechnische Grundqualifizierung innerhalb der IBRH-Maßnahme (Integrative Berufliche Rehabilitation von Personen mit Hörbehinderung) im BFW Dortmund gab ihr wieder eine neue Perspektive. Die Mutter zweier Kinder hat gelernt, mit ihrer Behinderung umzugehen und die Kommunikation mit ihrer „hörenden Umwelt“ zu optimieren: Ihr Hörgerät wurde neu eingestellt und allein dadurch war schon eine deutliche Verbesserung möglich. Vorher, erinnert sich Mechthild S., habe sie immer versucht, ihre Krankheit zu überspielen: „Ich habe versucht, möglichst viele Informationen mitzubekommen. Es sollte keiner merken, dass ich nichts verstanden habe.“ Und wenn es dann doch mal jemand gemerkt hat: „ Das war mir dann total peinlich, ich habe mich total unsicher gefühlt im Umgang mit anderen Menschen, hatte Hemmungen.“ Drei Monate wohnte die geborene Weselerin im BFW, bekam psychologische und audiotherapeutische Hilfe: „Das hat mir wieder Selbst- bewusstsein gegeben.“ Inzwischen traut sie sich, häufiger nachzufragen – oft sogar ohne sich zu schämen.
Als Assistentin der Geschäftsleitung arbeitet Mechthild S. heute in einer Apotheke in Dorsten, wo sie sich um Personalfragen und die Buchhaltung kümmert. Eine entsprechende Teilqualifizierung hat sie in einer wohnortnahen Bildungseinrichtung in Bocholt gemacht. Das BFW habe sie auf ihrem Weg in die neue Zukunft sehr gut unterstützt: „Ich habe wertvolle Erfahrungen gemacht und Lösungsmöglichkeiten an die Hand bekommen, um meinen Alltag bewältigen zu können.“ Die 46-Jährige ist glücklich über ihren beruflichen Neuanfang.
IBRH Mehr Lebensqualität durch Integration
IBRH richtet sich an Menschen, die eine Hörbeeinträchtigung haben und ihren bisherigen Beruf nicht mehr ausüben können. Auch Betroffenen, die behinderungsbedingt keinen Arbeitsplatz finden, bietet IBRH die Möglichkeit zur beruflichen Integration. Bestandteile sind: RehaAssessment® Abklärung der Eignung und Neigung für eine berufliche Tätigkeit Hörtechnische Grundqualifizierung Entwicklung einer individuellen Hörtaktik, unter anderem: Mundablesen, technische Hilfen, Kommunikationstraining, logopä- dische und psychologische Begleitung Individuelle Qualifizierung und Integrationsunterstützung 2-jährige Berufsausbildung, Individual- maßnahmen oder Teilqualifizierung Integration am Arbeitsplatz Bewerbungsstrategie, Hilfe bei der Arbeitsplatzsuche, Abstimmung mit dem künftigen Arbeitgeber
