Rückkehr in den Beruf nach Krankheit oder Unfall


Erfahrungsberichte


Manchmal ist es ein Unfall, manchmal eine Rückenerkrankung – und immer öfter eine psychische Erkrankung, die zum beruflichen „Aus“ führt. Aber zum Glück hat die deutsche Gesetzgebung mit der beruflichen Rehabilitation eine Möglichkeit zur Rückkehr ins Arbeitsleben geschaffen. Lesen Sie hier ermutigende Beispiele von Menschen, die eine neue Perspektive im Leben fanden.


Wenn der Job krank macht

Berufliche Reha bot neue Chance beim alten Arbeitgeber

 

Mit einem Jucken fing es an: 30 Jahre lang arbeitete Harry H. in der Produktion eines Herstellers für keramische hochtemperaturbeständige Materialien – der Kontakt mit diversen Bindemitteln und Feinstaub stand auf der Tagesordnung. Lange ignorierte der gelernte Industriemechaniker eine zunehmende Überempfindlichkeit – bis es nicht mehr ging und immer mehr allergische Reaktionen die Arbeit unmöglich machten. Eine berufliche Umschulung gab Harry H. schließlich die Chance, mit neuer Qualifikation in seinen alten Betrieb zurückzukehren.

 


Geschwollene Augen, quälender Juckreiz und entzündete Haut, Bronchialasthma: Harry H. war eigentlich lange schon klar, dass sein Job nicht mehr gut für seine Gesundheit war, aber „das will man einfach nicht wahrhaben und macht weiter, so gut es eben geht“, sagt er heute. „Dreißig Jahre war ich in der Firma, das gibt man nicht so ohne weiteres auf.“ Er versuchte sich so gut es ging gegen den Staub zu schützen, trug Handschuhe und Mundschutz bei der Arbeit, ohne Erfolg. Immer öfter wurde er krankgeschrieben, bekam sogar eine Kur bewilligt. Im Anschluss nahm er seine Arbeit in der Hoffnung, dass es bergauf geht, wieder auf. Aber ganz im Gegenteil: Die allergischen Reaktionen wurden immer schlimmer. Schließlich war es sein Arbeitgeber, der die Notbremse zog: „Es war einfach klar, dass es so nicht weiter gehen kann“, erinnert sich Harry H. rückblickend. Lange war er krankgeschrieben. Eine schlimme Zeit für den Vater von zwei Kindern – denn zu der Krankheit kam nun auch noch die Sorge um die berufliche Zukunft.

 

Berufliche Reha ebnete den Weg

Doch Harry H. hat Glück im Unglück: Ein Beratungsgespräch bei der Berufsgenossen- schaft stellt die Weichen für die berufliche Zukunft neu – die Experten empfahlen eine berufliche Rehabilitation. Nach der Berufsfindung im BFW Sachsen-Anhalt war klar: Harry H. ist geeignet für den Beruf des Industriekaufmanns. Damit der Start so optimal wie möglich gelingen würde, bekam er im BFW eine genau auf ihn zugeschnittene Förderung und eine umfassende Begleitung von Anfang an, um beruflich wieder Fuß zu fassen. Nach einem Rehavorbereitungslehrgang (RVL), der grundlegende Kenntnisse vermittelt, altes Wissen auffrischt und auf das Lernen vorbereitet, begann Harry H. mit der Umschulung: Zwei Jahre lang pendelte der Akener täglich ins knapp 40 Kilometer entfernte BFW nach Staßfurt, um sich dort auf seine neue berufliche Zukunft vorzubereiten. „Größter Ansporn war für mich dabei immer die Perspektive, in meine Firma zurückzukehren“, erzählt der fast 50-Jährige.

 

Erfolgreicher Neustart

Ein Ziel, dass er auch erreicht hat: Nach dem erfolgreichen Abschluss der Ausbildung arbeitet Harry H. heute als Sachbearbeiter wieder bei seinem alten Arbeitgeber. „Auch wenn mir mein alter Job schon ein wenig fehlt, ist das natürlich ein absoluter Glücksfall für mich“, sagt er. Hinzu kommt: Als ein Mann der Praxis kennt er alle Betriebs- und Produktionsabläufe aus dem Effeff und bringt sein ganzes Vorwissen mit ein in die neue Bürotätigkeit. Und so profitiert nicht nur der frischgebackene Industriekaufmann von der Qualifizierung im BFW, sondern auch sein Arbeitgeber. Eine klassische Win-win-Situation.