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Rückkehr in den Beruf nach Krankheit oder Unfall

Bannerbild Heiko Göhl
Das Beste aus
allem gemacht
Neue Zukunftsperspektive
dank beruflicher Reha

Neue Perspektiven gefunden

Manchmal ist es ein Unfall, manchmal eine Rückenerkrankung – und immer öfter eine psychische Erkrankung, die zum beruflichen „Aus“ führt. Aber zum Glück hat die deutsche Gesetzgebung mit der beruflichen Rehabilitation eine Möglichkeit zur Rückkehr ins Arbeitsleben geschaffen. Lesen Sie hier ermutigende Beispiele von Menschen, die eine neue Perspektive im Leben fanden.

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Das Beste aus allem gemacht

Ein Bandscheibenvorfall bremste Heiko Göhl aus. Dank einer Ausbildung im BFW kann er heute den Blick konsequent nach vorne richten.

Heiko Goehl
Mehr als qualifiziert

Als Cordula Haasis am Rande ihrer Kräfte ist, sucht sie sich Hilfe. Im Berufsförderungswerk findet sie weit mehr als „nur“ eine Umschulung.

Cordula Haasis
Beschleunigt in die Zukunft

Mit 22 Jahren geben die meisten Menschen beruflich richtig Vollgas. Nicht so Thomas Friedrich: Ein Bandscheibenvorfall bremste ihn aus.

Thomas Friedrich

Das Beste aus allem gemacht

"Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben", soll Albert Einstein gesagt haben. Ganz ähnlich geht es Heiko Göhl, der dank einer erfolgreichen Umschulung den Blick konsequent nach vorne richtet: "Ich habe mit den alten Zeiten abgeschlossen - für mich zählt nur noch das Neue."

Das lange Sitzen im Auto und dazu oft schwer heben: Als Verkaufsfahrer für Autolacke ging Heiko Göhl immer bis an die körperliche Grenze - und weit darüber hinaus. "Rückenschmerzen waren für mich jahrelang an der Tagesordnung, trotzdem bin ich ständig unterwegs gewesen", erzählt er. Doch irgendwann forderte die dauernde Überbelastung ihren Tribut: Ein Bandscheibenvorfall bremste ihn letzendlich aus. Nach der Operation machten die Ärzte Heiko Göhl klar, dass er so auf keinen Fall weiter machen kann. "Das zieht dir erst mal den Boden unter der Füßen weg", erinnert er sich. "Denn es ging ja nicht nur um meine Gesundheit, sondern auch um meine berufliche Existenz."

Eine neue Perspektive
Zu seinem Glück erfuhr er bereits in der Anschlussheilbehandlung von den Maßnahmen der berufliche Rehabilitation und stellte bei der Deutschen Rentenversicherung einen Antrag auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben, der auch bewilligt wurde. "Die Zusage zur Wiedereingliederung war natürlich eine Erleichterung, weil ich wusste, dass es jetzt eine Perspektive gibt", sagt Heiko Göhl. Wie diese allerdings genau ausehen könnte, das war dem Familienvater noch nicht klar. "Aber auch mit dieser grundlegenden Fragestellung wurde ich nicht alleingelassen: Im Rahmen einer Arbeitserprobung konnte ich zunächst testen, welcher Beruf der richtige für mich ist." Mit der anschließenden Entscheidung, sich im BFW Thüringen zum Bürokaufmann ausbilden zu lassen, stellte der gelernte Facharbeiter für Warenumschlag die Weichen für seine berufliche Zukunft: "Anfangs war es schon eine seltsame Vorstellung, als gestandener Mann mit jahrelanger Erfahrung im Arbeitsleben wieder wie ein Berufsanfänger auf der Schulbank zu sitzen, aber sehr schnell habe ich den vermeintlichen Rückschritt als positive Herausforderung angenommen, die mich voran bringt."

Chance ergriffen
Zwei Jahre dauerte die Ausbildung – eine Zeit, an die der heute 45-Jährige sehr gerne zurückdenkt. „Ich habe mich im BFW einfach gut aufgehoben gefühlt – menschlich und fachlich. Jederzeit hatte ich die Sicherheit, dass ich kompetent begleitet werde und mich bei Problemen an einen BFW-Mitarbeiter wenden kann“, erinnert sich Heiko Göhl. Auch der Zusammenhalt unter den Teilnehmern ist ihm bleibend in Erinnerung geblieben: „Da gab es kein Gegeneinander, im Gegenteil, wir haben uns beim Lernen geholfen und unterstützt, wenn einer mal einen Durchhänger hatte.“ Der wichtigste Ansporn war für Heiko Göhl aber immer seine Familie. „Meine Frau und mein Sohn haben mir die Kraft gegeben, auch in schwierigen Phasen den Blick nach vorne zu richten und mich immer wieder motiviert, mit Volldampf weiter zu machen.“ Auch durch diesen Rückhalt absolvierte er seine Ausbildung erfolgreich und konnte direkt nach der Abschlussprüfung in seinem neuen Job durchstarten: „Ich war in der glücklichen Lage, dass ich alle Praktika, die ein wesentlicher Teil der Ausbildung sind, bei der Fidelis HR machen konnte und so die Chance hatte, mich dort zu beweisen.“ Schnell war man im Unternehmen, einem führenden Anbieter von Personalmanagement-Lösungen, vom angeh­enden Bürokaufmann aus dem BFW überzeugt und stellte ihm eine Übernahme in Aussicht: „Das zu wissen, hat mir ganz viel Sicherheit gegeben – noch beruhigter hätte ich gar nicht in meine Prüfungen gehen können“, sagt Heiko Göhl mit einem Schmunzeln. Seit Juni ist er bei der Fidelis HR in Zwickau festangestellt: Als Lohn- und Gehaltsabrechner kümmert sich der ehemalige Verkaufsfahrer nun darum, dass die Angestellten seiner Kunden jeden Monat ihr Geld auf dem Konto haben. „Ein spannender Beruf, der mich täglich aufs Neue fordert. Ich komme zwar nicht mehr so viel herum wie früher, dafür kann ich heute nach Feierabend zu meiner Familie nach Hause fahren“, zieht er positiv Bilanz. „Sitzen gehört zwar nach wie vor zum Job, aber mit den entsprechenden technischen Hilfsmitteln ist das kein Problem. Außerdem weiß ich heute, wie ich Belastungen frühzeitig entgegen wirken kann – auch das habe ich im BFW gelernt.“

Das Beste aus allem gemacht
„Wenn ich heute auf mein altes Berufsleben zurückblicke, empfinde ich keine Wehmut“, betont Heiko Göhl. „Ich würde jede Entscheidungen wieder genauso treffen. Auch dank der Unterstützung des BFW habe ich aus allem das Beste machen können.“

Mehr als qualifiziert

Als Cordula Haasis am Rande ihrer Kräfte ist, sucht sie sich Hilfe. Im Berufsförderungswerk findet sie weit mehr als „nur“ eine Umschulung.

Als selbstständige Grafikerin war Cordula Haasis zwar gut im Geschäft, doch sie folgte ihrer Leidenschaft und begann ein Studium der Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Ein gewagter Schritt wie sich zeigen sollte, aber die Frau aus der Ostalb ist ihr Leben seit jeher mit einer gehörigen Portion Optimismus angegangen. Leider musste sie ihre Grenzen kennenlernen: „Die Arbeitssuche nach dem Studium war eine schwierige Phase meines Lebens, aber das war ok, das hatte ich mir ja selbst eingebrockt“, schmunzelt sie und fügt etwas leiser an:  „Als sich dann aber auch noch privat eine Katastrophe ereignete, war ich am Ende meiner Kräfte. Ich war im Kopf wie ausgebrannt, auch körperlich schlapp – die klassischen Burnout-Symptome. Ich habe mir dann professionelle Hilfe geholt.“

Mit Erfolg: Nach stationärer Behandlung war sie wieder bei Kräften und ging mit gewohntem Elan das Thema „Rückkehr in den Beruf“ an. Da sie nach dem Studium nun schon längere Zeit arbeitssuchend gemeldet war, bedeutete das im ersten Schritt Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben bei der Arbeitsagentur zu beantragen. „Da ich gerne mit Metall arbeite, hatte ich schon früh ein Auge auf die Ausbildung zur Industriemechanikerin geworfen. Also habe ich eine Arbeitserprobung im BFW Schömberg gemacht und nur einen Monat nach dem positiven Ergebnis die Ausbildung begonnen.“

Rundum versorgt
Zwei Jahre dauerte die Qualifizierung, zwei Jahre ist sie dafür ins Internat des BFW gezogen. „Natürlich ist es nicht leicht,  sein gewohntes Umfeld zeitweise zu verlassen, aber ganz ehrlich: Es gibt nichts Besseres, um sich zu hundert Prozent auf die Ausbildung zu konzentrieren. Und darüber hinaus wird das Zimmer gereinigt, in der Kantine wird gekocht, es ist fast wie im Hotel“, scherzt sie.  „Insbesondere die begleitenden Dienste waren wichtig, weil wir ja alle wegen gesundheitlicher Probleme im BFW gewesen sind: Ich wusste immer, dass ich bei einem Rückfall auf den psychologischen Dienst zurückgreifen kann. Allein das zu wissen, hat geholfen. Und ohne den hervorragenden medizinischen Dienst hätte ich die Prüfung gar nicht schreiben können."

Die rettende Idee
Das wäre doppelt schade gewesen, denn letzten Endes hat sie als Gruppenbeste abgeschlossen. „Ich hatte mir ein hartnäckiges Karpaltunnelsyndrom zugezogen. Ich hatte solche Schmerzen, ich konnte keinen Stift für länger als ein paar Sekunden benutzen. Normalerweise wird das operativ behandelt, aber mir rannte ja die Zeit davon. Zum Glück hatte der BFW-Arzt die rettenden Idee.“ Er schlug ihr eine alternative Schmerztherapie vor – und die schlug gut an: Sie konnte die Prüfung schreiben. „Das war die letzte Hürde. Ab da ging es nur noch bergauf“, sagt sie. Und hat im wahrsten Sinne des Wortes recht. Denn als sie sich bei Liebherr Aerospace im hochgelegenen Allgäu bewarb, wurde sie eingestellt.
Ende gut, alles gut? „Auf jeden Fall! Es ist wichtig, dass man sich auch mal eingesteht, dass man Hilfe braucht – und sie annimmt. Zum Glück macht das BFW mehr als nur Qualifizierung, denn sonst wäre ich heute nicht im Arbeitsmarkt.“

Beschleunigungs­streifen in die Zukunft

Mit 22 Jahren geben die meisten Menschen beruflich richtig Vollgas. Nicht so Thomas Friedrich: Ein Bandscheibenvorfall bremste den gelernten Schreiner kurz nach der Ausbildung aus.

Doch er gab nicht auf, stellte bei der Rentenversicherung einen Antrag auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben und begann im BFW Heidelberg eine zweijährige Weiterbildung zum Gebäudesystemtechniker – für den jungen Mann der direkte Weg auf die berufliche Überholspur: „Die Ausbildung im BFW hat mich so motiviert, dass ich mich noch weiter entwickeln wollte.” Und da er mit der erfolgreichen Abschlussprüfung die Fachhochschulreife erlangt hatte, studierte er im Anschluss Ingenieurwesen an der SRH Hochschule in Heidelberg.

Das Studium musste Thomas Friedrich zwar selbst finanzieren, aber gelohnt hat sich das Engagement auf jeden Fall: Als Projektleiter entwickelt er heute bei einem renommierten Unternehmen Softwarelösungen für Gebäudetechnik und Facility Management. „Ein anspruchsvoller Job, in dem ich mich rundum gefordert fühle”,  sagt Thomas Friedrich. „Dass ich einmal so weit kommen würde, hätte ich nie gedacht, schließlich hatte ich ‚nur’ einen Realschulabschluss.  Das BFW war für mich ein echter Türöffner – auf meinem Weg zurück in den Beruf, aber ganz besonders auch, weil hier meine Ambitionen geweckt wurden, mehr erreichen zu wollen. ”

Hartnäckig geblieben

Ein versteiftes Ellbogengelenk schränkt Maik Weber ein, doch ohne es hätte er nie die berufliche Erfüllung gefunden.

Maik Weber
Kaum zu glauben

„Nach 22 Jahren im Einzelhandel war für mich eigentlich völlig klar: Das mache ich bis zur Rente.“ Doch dann kam alles anders.

Nektaria Zournatzidou
Alle Hürden überwunden

Viele zweifeln: Mit 49 Jahren einen unbefristeten Arbeitsvertrag nach einer Umschulung erhalten – geht das? Es geht, wie Liane Rouschal eindrucksvoll zeigt.

Liane Rouschal

Hartnäckig bleiben – Stärke zeigen

„Ich habe ein lachendes und ein weinendes Auge“, sagt Maik Weber. Ein versteiftes Ellbogengelenk schränkt ihn zwar bei alltäglichen Aufgaben wie beim Haarekämmen ein, doch ohne es hätte er nie die berufliche Erfüllung gefunden.

Maik Weber ist buchstäblich ein starker Typ. Das sieht man ihm nicht nur an, er hat es auf der Arbeit tagtäglich unter Beweis gestellt: „Ich habe in der Tierfutterproduktion gearbeitet: 50-Kilo-Säcke anheben, aufschneiden und in ein Silo schütten. Da sind einige Tonnen täglich zusammengekommen. Mit dem Arm natürlich gar nicht möglich.“ Im 135-Grad-Winkel steht der linke Unterarm heute vom Oberarm ab. Für immer. Grund dafür war eine Entzündung im Gelenk nach einer Operation, die eigentlich Routine sein sollte. „Als klar war, dass das so bleibt, habe ich mich natürlich gefragt: Was machst du jetzt mit deinem Leben? Plötzlich standen Begriffe wie Teilrente im Raum – und das in meinem Alter! Da war mir klar, dass ich schnell handeln muss“, sagt der 46-Jährige.

Der Job des Lebens
Also hat er sich auf eigene Faust informiert, über Umwege von den Berufsförderungswerken (BFW) erfahren und sich beim Info-Tag zum Antrag auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (LTA) informiert. Den Antrag stellte er bei der Deutschen Rentenversicherung; er wurde bewilligt und Maik Weber. zur Arbeitserprobung in ein Berufsförderungswerk eingeladen. „Die gute Nachricht war: Der Kopf funktioniert ganz gut. Die schlechte: Ein Bürojob hätte mich todunglücklich gemacht. Ich hatte an Materialprüfer gedacht, aber mir wurde etwas noch Besseres angeboten.“

Der Qualitätsfachmann vereint nämlich Werkstoffprüfung, Koordinatenmesstechnik, Prüfplanung, Fertigungskontrolle und die Prüfmittelüberwachung in einem. „Als ich die Ausbildungsinhalte erfuhr, hab ich mir gesagt: Das ist genau der Job, den ich schon immer hätte machen sollen.“ Denn zwei Eigenschaften kommen Maik W. zu Gute: sein penibler Sinn für Ordnung und sein technisches Verständnis.

Zur rechten Zeit flexibel gedacht
Doch nun kam die nächste Hürde: Die Ausbildungsorte waren zu weit von seiner Heimat entfernt. Als Familienvater kam eine Unterbringung im Internat nicht in Frage, aber im richtigen Moment hatte der sture Sachse eine kreative Idee: „Ich hab meinen Sachbearbeiter gefragt, warum wir nur in Sachsen nach Ausbildungsorten schauen, wo ich doch an der Grenze zu Thüringen wohne. Und ob man das Geld für die Unterbringung nicht auch in Fahrgeld umwandeln könnte.“ Beide Ideen haben gezündet: Im BFW Thüringen, das gerade mal 30 Kilometer von ihm entfernt lag, hat er seine Ausbildung absolviert und einen Monat später einen Arbeitsvertrag in der Tasche. „Ich kannte die Firma vom Tag der offenen Tür. Auf einer Jobmesse in der Zwickauer Stadthalle, wo ich eigentlich einen Job für meinen Sohn finden wollte, hatte diese Firma einen Stand, wir kamen ins Gespräch – und schon hatte ich einen Praktikumsplatz. Mein Sohn ist auch noch fündig geworden.“ Das Beste an dem Job sei die Abwechslung. „Wir fertigen Kleinserien und Spezialmotoren nach Kundenwunsch. Dadurch hat jeder Tag seine eigene Herausforderung für mich.“ Rückblickend sagt er: „Die ganzen letzten Jahre haben mir einiges an Kraft abverlangt. Zum Glück bin ich so ein Dickkopf! Das hat mich davor bewahrt, bei Hindernissen aufzugeben, und immer wieder dazu angetrieben, mein Glück selbst in die Hand zu nehmen.“

Kaum zu glauben

„Im ersten Moment wollte ich das gar nicht wahr haben“, sagt Nektaria Zournatzidou. „Nach 22 Jahren im Einzelhandel war für mich eigentlich völlig klar: Das mache ich bis zur Rente.“ Doch als sie sich die Beugesehne im Daumen so verletzte, dass auch nach der medizinischen Reha an tagtägliches Ein- und Ausräumen von Waren nicht mehr zu denken war, musste sie sich neu orientieren – und schaffte das dank der Unterstützung des BFW Köln. 

Am Standort Brühl, und damit wohnortnah, absolvierte sie eine neunmonatige Qualifizierung zur Bürogehilfin. „An meinem ersten Tag, auf dem Weg zum BFW, bin ich unsicher gewesen. Was erwartet mich da?“, gibt sie zu. „Aber als ich dann vor Ort war, habe ich gemerkt, dass ich gut aufgehoben bin.

Ich wurde in allem unterstützt.  Sei es bei der Ausbildung an sich, beim Bewerbungstraining oder vielen anderen Fragen – alle BFW-Mitarbeiter hatten immer ein offenes Ohr für mich. Allein das zu wissen, hat sehr geholfen. Ab dem zweiten Tag bin ich also immer gerne zum BFW gefahren.“ Und das hat sich gelohnt: Auch im Praktikum bei einem Rechtsanwalt zeigte die Mutter zweier Kinder ihren Enthusiasmus. Und am Ende stand die unbefristete Beschäftigung in der Kanzlei. Gerade mal zehn Gehminuten von  ihrer Haustür entfernt. „Wenn ich bedenke, dass ich am Anfang nahezu hoffnungslos gewesen bin, aber nun einen Arbeitsplatz habe, der mir sogar besser gefällt als der zuvor, fällt es mir noch schwer, das alles zu glauben. Aber diesmal mit einem positiven Gefühl.“

Alle Hürden überwunden

Viele zweifeln: Mit 49 Jahren einen unbefristeten Arbeitsvertrag nach einer Umschulung erhalten – geht das? Es geht, wie Liane Rouschal eindrucksvoll zeigt.

Eine Lebensmittelunverträglichkeit ist unangenehm – aber ein Grund für Berufsunfähigkeit? „Ich wollte mir das lange nicht eingestehen, und habe letztlich noch vier Jahre damit weitergearbeitet“,  sagt die Mutter einer erwachsenen Tochter. Wenn Liane Rouschal als stellvertretende Filialleiterin im Einzelhandel mit Mehlstaub in Berührung kam, begann das große Kribbeln, das sich bis in die Abendstunden zu handfestem Hautausschlag und nachhaltigen Magen-Darm-Beschwerden ausweitete. „Noch heute muss ich regelmäßige Tests beim Arzt machen, weil die beeinträchtigte Nährstoffaufnahme meinen Organismus schwächt.“

Als der Einzelhandelkonzern 2010 die Türen der Filiale schließt, ordnet die Arbeitsagentur ein medizinisches Gutachten an mit dem Ergebnis: In den Lebensmittelhandel kann sie nicht zurück, andere Handelsbereiche sind wegen eines Rückenschadens auch nicht zumutbar. Daher empfahl ihr die Arbeitsagentur, Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (LTA) zu beantragen."
Da sie schon 15 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt hatte, war die Rentenversicherung ihr zuständiger Reha-Träger. Die lehnte den Antrag zunächst ab, mit dem Hinweis, sie sei sechs Stunden täglich arbeitsfähig. „Das hat mich empört. Man hatte bloß meine Wirbelsäule in das Gutachten einfließen lassen. Dass ich zusätzlich die Lebensmittelunverträglichkeit und einen Herzklappenfehler habe, wurde ignoriert.“

Sofort bereitete sie den Widerspruch vor und suchte sich den fachlichen Rat bei ihrer Hausärztin für die medizinische Begründung. „Die hat sich ganz viel Zeit für mich genommen. Es ist erstaunlich, wie hilfsbereit die meisten Menschen sind – man muss nur fragen.“ Mit Erfolg: Im Widerspruchsverfahren wurde der Antrag genehmigt. Hilfe von allen Seiten Im Berufsförderungswerk Sachsen-Anhalt begann sie nach einem Vorbereitungslehrgang eine Umschulung zur Technischen Prouktdesignerin. „Das war ideal. Meine erste Ausbildung hatte ich 1984 zur Zerspanungsmechanikerin absolviert.

Die Kenntnisse habe ich im Vorbereitungslehrgang aufgefrischt, ergänzt und bin dann frisch ans Werk gegangen. Bis mich eine weitere Erkrankung rausgerissen hat.“ Nur drei Monate nach Ausbildungsbeginn musste sie ein Jahr aus gesundheitlichen Gründen pausieren. Doch sie hat sich nicht entmutigen lassen: „Dass ich die Ausbildung letztlich doch abschließen konnte, lag auch an der tollen Unterstützung vom BFW. Die Köchin hat extra für mich ein glutenfreies Essen gekocht, krankheitsbedingte Lernausfälle konnte ich durch individuellen Förderunterricht ausgleichen – und dann waren da noch meine Klassenkameraden, die mich in ihre Lerngruppen integriert haben.“ Das BFW unterstützte sie auch dabei, einen Arbeitgeber zu finden, der sie nun unbefristet übernommen hat.

Fünf Jahre ist es nun her, dass sie vor dem beruflichen Aus stand: „Erst das Widerspruchsverfahren, dann die Krankheit während der Umschulung und ständig diese Unsicherheit: Trotz der vielen Rückschläge habe ich nicht aufgegeben. Aber alleine hätte ich es nicht geschafft. In so einer Situation ist es wichtig, nicht nur den Kampf, sondern auch Hilfe anzunehmen.“

Herausforderung gemeistert

Mit einem bösen Foul beim Fußball fing es an, das für den damals 14-Jährigen schwerwiegende Folgen hatte.

Ramon Heinrich
Kooperativ ausgebildet

1990 wanderte der hörbehinderte Zia Ahmad Wafi nach Deutschland aus und erworb die Fachholfschulreife. Trotzdem wurden seine Bewerbungen abgelehnt.

Zia Ahmad Wafi
Arbeitsplatz gesichert

Doris Macagnino arbeitete als Reinigungskraft in einem Krankenhaus – bis ein Unfall diese körperlich schwere Arbeit nicht mehr zuließ.

Doris Macagnino

Herausforderung gemeistert

Mit einem bösen Foul fing es für Ramon Heinrich an: „Als ich 14 war, hat mir ein Gegenspieler beim Fußball dermaßen in den Bauch getreten, dass es mir die Innereien zerrissen hat. Noch heute darf ich nicht schwer heben und habe deswegen einen Behindertenausweis.“

Als ein befristeter Vertrag im öffentlichen Dienst für den IT-Kaufmann nicht verlängert worden ist, stellte er fest, dass seine Ausbildung allein auf dem Arbeitsmarkt nicht ausreichte.

Mit einem Bildungsgutschein der Arbeitsagentur ausgestattet absolvierte er im BFW Stralsund die benötigte neunmonatige Weiterbildung zum Microsoft Certified IT Professional (MCITP) und Microsoft Certified Solution Expert (MCSE). Mit Erfolg: Heute hat er einen unbefristeten Vertrag als Netzwerkadministrator an der Fachhochschule Güstrow und fühlt sich rundherum erfüllt. „Jeder Tag hat seine Herausforderungen, die ich meistere und dank der Chance, die sich mir geboten hat, kann ich heute neue Wege gehen.“

Kooperativ ausgebildet

Wenn Zia Ahmad Wafi spricht, zieht er seine Gegenüber in Bann. Er ist seit seinem ersten Lebensjahr hörbehindert. Das hört und sieht man (am Hörgerät), fällt aber nicht groß ins Gewicht – der Zuhörer lässt sich viel zu sehr von seiner positiven Energie elektrisieren. „Ich bin mir zwar sicher, dass ich die Prüfung zum Einzelhandelskaufmann schaffe“, sagt der gebürtige Afghane. „Aber selbst wenn nicht: Ich finde immer neue Wege. Das hat die Vergangenheit gezeigt.“ Den Weg zur beruflichen Teilhabe haben Arbeitsagentur und BFW gleichermaßen geebnet.

Als er in Kabul vor 38 Jahren das Licht der Welt erblickte, war er wahrscheinlich schon hörbehindert. So genau kann das keiner mehr sagen. Als die Eltern das herausfinden, fördern sie ihn, bezahlen Speziallehrer, die ihm erst Sprechen, dann Lesen und Schreiben beibringen. „Das ist nicht selbstverständlich. In Kabul gab es viele behinderte Kinder, die von ihren Eltern zu Hause versteckt worden sind. Ich bin meinen Eltern unendlich dankbar dafür, dass sie mir von Anfang an alle Liebe und Förderung haben zuteil werden lassen.

Als der praktizierende Christ 15 Jahre alt ist, im Jahr 1990, wandert die Familie nach Deutschland aus. Er macht, trotz Hörbehinderung und anfänglichen Sprachschwierigkeiten, seinen Hauptschulabschluss auf einer inklusiven Schule, besucht im Anschluss eine Hörbehindertenschule, wo er im Jahr 2000 seine Fachhochschulreife macht. Die Welt stand ihm offen, mag man meinen, doch an diesem Punkt begann die schwierigste Zeit in seinem Leben, sein „Sturm“ wie er in Anlehnung an ein Bibelzitat sagt: „Ich mache niemandem Vorwürfe, aber ich war enttäuscht, dass mir nie niemand eine Chance gegeben hat. Ich denke schon, dass die Kombination aus Fremdsein und Hörbehinderung ausschlaggebend waren. Die Arbeitslosigkeit war für mich eine schwere Zeit.“

Büro- oder Bankkaufmann wollte er werden, unzählige Bewerbungen werden abgelehnt, irgendwann „findet sich ein neuer Weg“ als ein Verwandter ihn sieben Jahre lang in seinem Restaurant arbeiten lässt.

Doch dann kann er nicht mehr, der Stress im Gastgewerbe ist für ihn mit seiner Hörbehinderung nochmal potenziert. Er wendet sich an die Arbeitsagentur, die ihm Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben genehmigt – und finanziert: erst einmal eine Qualifizierung zum Verkäufer.

„Obwohl meine Ergebnisse im Assessment nicht perfekt waren, konnte ich die Mitarbeiter im BFW überzeugen, dass ich hoch ich hoch motiviert bin und viel erreichen will.“ Er macht die Ausbildung zum Verkäufer und findet, mit Unterstützung aus dem BFW, einen Praktikumsplatz in einem Sanitätshaus. Seine Fallsteuerin Sandra Dieckerhoff ist speziell für die Begleitung und Unterstützung von Personen mit Hörbehinderung ausgebildet und kümmert sich um Dinge, bei denen Zia Ahmad Wafi Hilfe benötigt. Auch die technischen Voraussetzungen für die Qualifizierung von Hörbehinderten sind im BFW Dortmund vorhanden.

„Ohne die Unterstützung von Frau Dieckerhoff und Frau Kamann wäre es mir selbst, aus den bekannten Gründen, wohl nicht gelungen einen Praktikumsbetrieb zu finden. “ Die Ausbildung schließt er mit hervorragenden Leistungen ab, so hervorragend, dass die Arbeitsagentur ihm eine weitere, höhere Qualifizierung finanziert: diesmal zum Einzelhandelskaufmann.

Während des Praktikums arbeitet der Vater zweier Töchter wieder im selben Unternehmen. „Die Arbeit im Sanitätshaus passt sehr gut zu mir. Da geht es nicht nur um Verkauf, sondern mehr um persönliche Beratung. Das erfordert Produktkenntnisse und spezielles Know-how“, sagt er. Er hat gute Chancen auf eine Übernahme in Festanstellung. Und wenn daraus doch nichts werden sollte? „Dann findet sich ein neuer Weg“, sagt er. Man glaubt es ihm sofort.

Chance genutzt – Arbeitsplatz gesichert

Über 30 Jahre ist es her, dass Doris Macagnino. in ihrem Beruf als kaufmännische Bürokraft gearbeitet hat. Nach der Geburt ihres Sohnes unterstützte sie ihre Familie finanziell als Reinigungskraft in einem Krankenhaus – bis ein Unfall mit einer Verletzung am Fußgelenk diese körperlich schwere Arbeit nicht mehr zuließ.

Mit Reha-Sport und Krankengymnastik versuchte die gebürtige Hernerin eineinhalb Jahre lang ihren Fuß wieder fit zu machen, doch gesundheitliche Rückschläge führten immer wieder zur Krankschreibung. „Irgendwann habe ich gemerkt, dass mein Fuß nicht mehr voll funktionsfähig wird und ich so meinen Job nicht mehr ausüben kann. Das hinzunehmen war schwer“, erinnert sie sich. Sorgen in die Arbeitslosigkeit abzurutschen stellten sich ein.

Chance genutzt
Die Verantwortlichen des Krankenhauses waren bereit, Doris Macagnino im Unternehmen weiter zu beschäftigen. Anstatt als Reinigungskraft, sollte sie künftig im Medizinischen Schreibbüro der Klinik eingesetzt werden.

Allerdings stellte sich schnell heraus, dass ihr Wissen und die medizinischen Sachkenntnisse dafür nicht ausreichten. Aber ihr zuverlässiger Einsatz in den 16 Jahren als Reinigungskraft im Unternehmen hat sich ausgezahlt: Ihr Leistungsträger stimmte einer neunmonatigen Qualifizierungsmaßnahme in Kooperation mit dem BFW zu, um die erforderlichen Kenntnisse erwerben zu können und gab der 50-Jährigen damit eine Chance.

Nach Vorgaben des Arbeitgebers entwickelte das BFW Dortmund einen Qualifizierungsplan, womit sie ganz speziell auf ihren neuen Tätigkeitsbereich vorbereitet wurde. Im Kaufmännischen Lerncenter lernte sie medizinische Fachbegriffe und übte mit ihren Fingern blitzschnell über die Tastatur zu rasen, um Gutachten zu schreiben.

„Wenn die Tür einmal offen ist, muss man dafür sorgen, dass sie nicht wieder vor einem, sondern erst hinter einem schließt“, sagt Doris Macagnino und ist stolz, ihre Chance genutzt zu haben.

Raus aus der Schieflage

Aufgrund einer Beckenfehlstellung konnte Carsten Intemann als Lagerist nicht mehr arbeiten – doch das berufliche "Aus" bedeutete das nicht.

Carsten Intemann
Ein gelungener Neustart

Dass sie heute ihr eigenes Geld verdient, ist für Astrid Maria Gehbardt vielleicht das Schönste an ihrem neuen Berufsleben. Ein gelungener Neustart!

Astrid Maria Gebhardt
Studium als Umschulung

Wegen ihres chronischen Sauerstoffmangels musste Ines Bartsch einen Gang runter schalten. Ein Studium eröffnete neue Perspektiven.

Ines Bartsch

Raus aus der Schieflage

Erst geriet er gesundheitlich, dann beruflich in Schieflage: Wegen einer Beckenfehlstellung konnte Carsten Intemann seinen Beruf als Lagerist nicht mehr aus­üben. Aber mit 47 Jahren nochmal eine zweijährige Umschulung? Das war ihm zu lang. Mit gezielten Zusatzqualifizierungen im Projekt "45plus" des Berufsförderungswerk (BFW) Weser-Ems dauerte es gerade mal ein dreiviertel Jahr bis zum Festvertrag als kaufmännischer Angestellter bei einer Firma für Kfz-Technik.

Es war ein schleichender Prozess, der durch die vielen Hebetätigkeiten als Lagerist noch begünstigt worden ist, bis Carsten Intemann irgendwann durch Beckenschiefstand und beidseitiger Arthrose keinen Schritt mehr ohne Schmerzen machen konnte. „Wenn ich nach einem Tag Arbeit im Lager nach Hause kam, habe ich mich gefühlt wie ein 80-Jähriger. Ich hatte überall Schmerzen, kam kaum noch die Treppen hoch. Irgendwann hat mein Arzt gesagt, dass es so nicht mehr weitergeht.“ Und Carsten Intemann seinem Arbeitgeber auch: „Ich bin dort nur auf hartem Beton gelaufen. Das war Gift für meine Hüfte.“

Seinen Arbeitsvertrag löste er im beiderseitigen Einvernehmen auf und folgte dem Rat seines Arztes, die Hüfte erst einmal einseitig operieren zu lassen. Nach einer medizinischen Rehabilitation ging es ihm schon viel besser, wenngleich er auf der rechten Seite immer noch Probleme hatte. Er bewarb sich bei verschiedenen Firmen. Dabei ging er offen mit seiner Einschränkung um: „Mir wurde immer versprochen, dass es sich bloß um leichte Tätigkeiten handele. Das dauerte zwei Wochen, dann wurden mir doch wieder wortlos schwerere Pakete zugewiesen. Die habe ich dann auch geschleppt, aber natürlich nur langsam. Über die Probezeit bin ich nie hinausgekommen.“

Als ideal stellte sich schließlich eine Bürotätigkeit in der Industrie heraus – hier würde sie so selbstständig arbeiten können, wie sie es sich wünschte und die Möglichkeit haben, in verschiedenen Bereichen zu arbeiten. Und ganz wichtig für sie: „Dieser Beruf ist sehr gefragt, und ich kann relativ sicher sein, nach der Umschulung einen festen Arbeitsplatz zu finden.“

Sich auf etwas anderes als auf Lageristenstellen zu bewerben, kam ihm zunächst gar nicht in den Sinn: „Ich habe zwar Bürokaufmann gelernt, aber nach der Lehre nie in dem Beruf gearbeitet. Zunächst hatte ich mich für zwölf Jahre bei der Bundeswehr verpflichtet, danach den Job im Lager angenommen. Mal ehrlich: Elektronische Buchführung, Umgang mit Office-Programmen – sowas habe ich vor dreißig Jahren nicht gelernt.“ Also hat er einen Antrag auf Teilhabe am Arbeitsleben (LTA) bei der Deutschen Rentenversicherung gestellt, ursprünglich mit dem Ziel, eine Umschulung zum Kaufmann für Lagerlogistik zu machen, doch der Reha-Berater stellte ihm die Maßnahme „45plus“ im BFW Weser-Ems vor. „Eine gute Entscheidung“, sagt er heute. „Nach einer zweijährigen Ausbildung wäre ich fast 50 gewesen. Und das ist nichts, was eine Jobsuche als Neueinsteiger unbedingt einfacher macht.

Vom Praktikum zum Festvertrag
Zunächst einmal wurde im BFW getestet, wo er überhaupt Qualifizierungsbedarf hat: „Es war schnell klar, dass ich die Buchführung weitestgehend beherrsche. Hier gab es nur eine Auffrischung. In Sachen Computer und EDV war allerdings mehr nötig.“ So wurde er intensiv in Office-Programmen und Datenverarbeitung geschult. „Das war schon sehr hilfreich und gut durchdacht, insbesondere die interaktiven Hausaufgaben haben dazu beigetragen, das erlernte Wissen zu festigen. Die und das Praktikum.“ Welches sich für ihn als Volltreffer herausstellen sollte. Denn als er hörte, dass eine neue Werkstatt in seinem Wohnort gebaut wird, stellte er sich dort kurzerhand persönlich vor, schildert seine Situation – und traf auf offene Ohren und Türen bei der Firma Ordemann Kfz-Technik. „Als ich von meinen gesundheitlichen Problemen berichtet habe, sagte der Chef Dieter Ordemann, dass er ganz ähnliche Hüftprobleme habe. So traf ich also auf einen Leidensgenossen.“ Umso größer war die Bereitschaft, Carsten Intemann im Praktikum zu testen. „Der Austausch mit dem BFW über die genauen Modalitäten war unkompliziert, das war viel wert.“ Im Praktikum stellte sich schnell heraus, dass er wertvolle Arbeit für den Betrieb leisten kann. Ein Festvertrag war die logische Konsequenz. Heute kümmert er sich um die Auftragsannahme, schreibt Rechnungen, alles, was gerade so anfällt – und hat Spaß dabei. „Ich bin erstaunt darüber, wie schnell sich letztlich doch noch alles zum Guten gewandelt hat.“

Neustart nach psychischer Erkrankung

Ihre Startbedingungen waren alles andere als leicht. „Mit 15 Jahren flog ich erst vom Gymnasium und dann aus dem Elternhaus“, erinnert sich Astrid Maria Gebhardt. Ohne abgeschlossene Schulausbildung hatte sie auch keine Chance auf eine Berufsausbildung. Eine harte Zeit begann für die junge Frau, die nicht ohne Spuren an ihr vorbeiging. „Borderline Syndrom“ so diagnostizierte offiziell ihr Arzt. Doch eine Beraterin in der Agentur für Arbeit machte ihr Hoffnung: „Sie können mit einer beruflichen Rehabilitation Ihren Weg in das Arbeitsleben finden!“, versprach sie ihr.

Und so kam Astrid Maria Gebhardt ins BFW München, einer Einrichtung zur beruflichen Rehabilitation, nachdem sie sich gesundheitlich stabilisiert hatte. In welche Richtung sie sich beruflich qualifizieren wollte, wusste die junge Münchnerin auch schon: „Ich wollte etwas Handwerkliches machen, das keinen Kundenkontakt erfordert“, sagt sie. Die Metallverarbeitung stellte sich als die richtige Branche heraus und hier begann Astrid Maria Gebhardt nach einem dreimonatigen Reha-Vorbereitungslehrgang, in dem ihre schulischen Kenntnisse aufgefrischt wurden, die Ausbildung zur Feinwerkmechanikerin. „Ich wundere mich darüber, dass dieser Arbeitsbereich als Männerdomäne gilt“, meint sie. „Dieser Beruf erfordert keine körperlichen Anstrengungen und schmutzig werden meine Hände nur ganz selten.“

Genau der richtige Beruf!
Dass sie genau den richtigen Beruf erlernte, merkte die junge Frau schon in den ersten Monaten ihrer Ausbildung – und die letzte Bestätigung erhielt sie schließlich in ihrem Praktikum, das sie bei der Heinrich Nymphius GmbH in München absolvierte. „Meine Kollegen bei der Praktikumsfirma hätten mich schon damals am liebsten dabehalten“, weiß Astrid Gebhardt noch recht gut. „Auch mein Chef war äußerst zufrieden mit meiner Arbeit und versprach mir, mich nach der Prüfung sofort zu übernehmen.“ Kein Wunder, denn die junge Frau arbeitet nicht nur selbstständig und sorgfältig, sondern sprüht bei der Arbeit geradezu vor Begeisterung.

Wie erfolgreich sie ihr Metier beherrscht, bewies sie dann auch im Anschluss an das Praktikum eindrücklich: Bei der Abschlussprüfung vor der IHK wurde sie Beste ihres Jahrganges im BFW München. Inzwischen arbeitet die 29-Jährige seit über einem Jahr in ihrem ehemaligen Praktikumsbetrieb. Gesundheitlich und beruflich geht es ihr heute gut – in der Werkstatt ist sie in ihrem Element. Mit den verschiedenen Werkstoffen – vom Kunststoff bis zu den unterschiedlichen Arten von Metall – zu arbeiten, mag sie an ihrem Beruf besonders. Vor allem aber freut sie sich, ihren Lebensunterhalt selbstständig zu erwerben – und will anderen Betroffenen Mut machen, ebenfalls beruflich neu durchzustarten. „Durchhalten lohnt sich!“, sagt sie, „die Chance auf einen Neuanfang gibt es.“

Studium als Umschulung

Wenn Ines Bartsch sagt, dass ihr die Diagnose die Luft genommen hat, ist das nicht sprichwörtlich gemeint: Das Anti-Phospholipid-Syndrom (APS), eine seltene Immunkrankheit, bewirkt, dass der Sauerstofftransport vom Blut in die Zellen erschwert wird. Als Kfz-Mechanikerin konnte sie nicht mehr weiterarbeiten. Heute ist sie Sozialarbeiterin – dank eines Studiums im Berufsförderungswerk (BFW) Heidelberg.

Wegen des chronischen Sauerstoffmangels hatte Ines Bartsch schlicht und ergreifend nicht mehr die Kraft, um einen ganzen Arbeitstag zu überstehen. Ihr Festvertrag war eigentlich schon ausgehandelt, doch nun musste das Arbeitsverhältnis aufgelöst werden. Bei der Arbeitsagentur schilderte sie der Sachbearbeiterin ihre Situation, die glücklicherweise die Lage richtig einschätzte und sofort einen Termin mit der Reha-Beraterin vor Ort machte. Mit ihr zusammen stellte sie den Antrag auf Teilhabe am Arbeitsleben (LTA), der auch bewilligt wurde.

Die Reha-Beraterin schlug Ines Bartsch ein BWL-Studium vor, aber das kam für sie nicht in Frage. „Das ist ja das Schlimmste an der Krankheit: Dass ich ausgebremst werde. Ich war vorher wie ein Flummi, mal hier, mal da, immer in Bewegung. Acht Stunden am Tag im Büro zu verbringen – da würde ich wahnsinnig werden.“ Schließlich fand sie das Angebot des BFW Heidelberg, Soziale Arbeit zu studieren. „Ich hatte wirklich Glück, eine verständnisvolle Reha-Beraterin zu haben, die nicht darauf bestanden hat, eine klassische Umschulung durchzusetzen.“

In einem obligatorischem Praktikum sammelte sie erste wertvolle Erfahrungen, die ihr nun in einer spezialtherapeutischen Einrichtung für verhaltensauffällige Kinder helfen. „Ich gehe mit meiner Schwäche offen um. Wenn ich mal außer Atem bin, sage ich den Kindern das und bisher haben sie immer Rücksicht darauf genommen. Viele dieser Kinder haben Schicksalsschläge erlitten, zwar ganz andere als ich, aber doch habe ich das Gefühl, als würde darüber eine Art Verbindung entstehen.“

Wenn der Rücken Halt ruft

Plötzlich machte ihr Rücken nicht mehr mit: Ein Bandscheibenvorfall sorgte für das vorzeitige Aus im Beruf. Doch eine berufliche Reha ebnete den Weg zurück.

Bianka Sparschuh
Ein Burnout als Chance

„Eines Morgens wachte ich auf und konnte nicht mehr.“ Karsten Peh war 40 Jahre alt, als die langjährige Belastung als Krankenpfleger ihren Tribut forderte.

Karsten Peh
Noch lange kein altes Eisen

Für ältere Menschen ist es schwer, nach einer Krankheit zurück in den Arbeitsmarkt zu finden. Auch Willi König stand auf dem beruflichen Abstellgleis. 

Willi König

Wenn der Rücken nicht mehr will

Kassieren, Abpacken der Regale, Reinigung der Filiale und Sauberhalten des Parkplatzes: Als Verkaufsstellenleiterin einer Aldi-Filiale kümmerte sich Bianka Sparschuh eigentlich um alles. Bis starke Schmerzen im Rücken jede Bewegung zum Albtraum machten. Die Diagnose: schwerer Bandscheibenvorfall im Lendenwirbelbereich.

Nach zwei Operationen konnte sie zwar mit Hilfe einer stufenweisen Wiedereingliederung an ihren Arbeitsplatz zurückkehren – aber nur anderthalb Jahre später machten sie starke Nervenschmerzen und Lähmungserscheinungen im rechten Bein erneut arbeitsunfähig: „Die Ärzte sagten, dass meine Nervenstränge im betroffenen Bereich völlig kaputt sind“, erinnert sie sich. In einer erneuten OP wurde ihr ein elektrischer Nervenstimulator eingesetzt, der den betroffenen Nervenstrang zum Gehirn unterbricht, so die Schmerzsymptome ausschaltet und eine fast uneingeschränkte Bewegung möglich macht.

Als klar war, dass Bianka Sparschuh dauerhafte körperliche Belastungen über fünf Kilo keinesfalls mehr möglich sind, wurde in der medizinischen Reha durch den Sozialdienst die berufliche Rehabilitation mit der Antragstellung auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben eingeleitet.

Stärken neu eingesetzt
Nach dem Erstgespräch mit einer Reha-Fachberaterin der Deutschen Rentenversicherung Bund wurden in einer Berufsfindung im Berufsförderungswerk Sachsen-Anhalt Eignungen und Neigungen der heute 46-Jährigen geprüft. Das Ergebnis: Bianka Sparschuh ist geeignet für eine Umschulung zur Industriekauffrau – eine zweijährige Ausbildung, die sie so erfolgreich im BFW Sachsen-Anhalt abschloss, dass sie direkt im Anschluss einen neuen Job fand: Heute ist die zweifache Mutter als Industriekauffrau bei der Firma fest angestellt, in der sie auch das obligatorische Praktikum absolvierte, das zu jeder Ausbildung im BFW gehört.

Ein Burnout als Chance

„Ein Jahr war ich anschließend krank“, sagte Karsten Peh, „zwei Monate war ich zunächst in einer psychosomatischen Klinik, anschließend habe ich noch eine ambulante Therapie gemacht.“ Die Depression klang langsam ab, aber Karsten Peh wusste, dass er seinen alten Job nicht mehr würde ausüben können. „Ich war einfach nicht mehr belastbar genug“, sagt er im Rückblick, „so lief alles auf eine krankheitsbedingte Kündigung hinaus.“

Das war für den gebürtigen Mecklenburger eine Katastrophe, Zukunftsängste machten ihm damals schwer zu schaffen. Glücklicherweise wurde er damals durch eine Sozialarbeiterin betreut, die gemeinsam mit ihm einen Fahrplan entwickelte, wie es für ihn beruflich weitergehen könnte. „Sie empfahl mir, bei der Bundesagentur für Arbeit einen Antrag auf Leistungen zur Teilhabe zu stellen“, so Karsten Peh. Das tat er mit Erfolg – und wurde anschließend zu einer Informationsveranstaltung in einem Beruflichen Trainingszentrum eingeladen, um zu klären, welche neue berufliche Perspektive für ihn in Frage kommen könnte.

Für Karsten Peh stand schnell fest, dass er eine Umschulung zu einem Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste mit der Fachrichtung medizinische Dokumentation absolvieren wollte. „Plötzlich fügte sich alles“, sagt er im Rückblick. „Ich begann meine berufliche Rehabilitation im BFW Bad Pyrmont und erlebte dort eine gute Zeit.“ Die Ausbildung entsprach genau seinen Vorstellungen, „ich habe dort viel gelernt“, sagt er.

Und auch das zur Ausbildung gehörende Praktikum bestätigte Karsten Peh in seiner Berufswahl. Kein Wunder, dass er nach dem Ende der Qualifizierung auch schnell einen neuen Job fand: Heute arbeitet er als Projektleiter im Qualitätsmanagement einer Berliner Klinik.

Wenn er heute auf die Zeit seiner Erkrankung zurückblickt, dann mit einem Gefühl der Ruhe und Zufriedenheit: „Erst habe ich meine Erkrankung nur negativ erlebt. Dann habe ich begriffen, dass sie zu etwas gut ist – nämlich als Weg in eine neue berufliche Zukunft.“ Eins allerdings sei dabei wichtig: „Man muss sich frühzeitig professionelle Hilfe holen.“ Dann werden aus Krisen auch Chancen.

Noch lange kein altes Eisen

Viele Jahre war Willi König als LKW-Fahrer unterwegs, bis eine Hüfterkrankung den Job unmöglich machte und den 54-Jährigen zwang, sich beruflich neu zu orientieren. „Der Verlust der Arbeit und die Suche nach einer neuen Tätigkeit sind nicht leicht für mich gewesen“, sagt er. Denn obwohl König reichlich Qualifikationen und Erfahrung in unterschiedlichen Arbeitsbereichen vorzuweisen hatte – der gelernte Bäcker und Konditor absolvierte 1984 eine Umschulung zum Dreher – fand er wegen seiner gesundheitlichen Einschränkungen keine Tätigkeit, mit der er an seine beruflichen Vorerfahrungen anknüpfen konnte.

Also wandte sich Willi König an seine Rentenversicherung und stellte einen Antrag auf berufliche Reha. Die zuständige Reha-Fachberaterin schlug ihm die spezielle Integrationsmaßnahme für ältere Menschen „45-Plus“ im Berufsförderungswerk Weser-Ems vor: Ziel des in Kooperation mit der DRV Oldenburg-Bremen gestarteten Pilotprojektes ist eine möglichst schnelle und dauerhafte berufliche Wiedereingliederung älterer Menschen. Dafür setzt das BFW auf eine Mischung aus Assessment, Training und Qualifizierung sowie gezielte Betriebspraktika.

Praktikum als Sprungbrett
Gerade die Praktika führen nicht selten zum sogenannten „Klebe-Effekt“ – viele der Teilnehmer werden danach in feste Arbeitsverhältnisse übernommen. So auch Willi König. Er konnte bei der Suche nach einem Praktikumsbetrieb an einen bestehenden Kontakt aus seinem vorherigen Job anknüpfen: Als Fahrer hatte er oft mit der Firma Benken Sandstrahl- und Oberflächentechnik GmbH in Oldenburg zu tun. Als dort eine Stelle in der Programmierung zu vergeben war, bewarb er sich. Mit Erfolg: Er bekam den Praktikumsplatz und arbeitete sich mit viel Engagement und intensiver Unterstützung durch das BFW in seine neue Tätigkeit ein. Heute setzt der ehemalige Dreher bei dem mittelständischen Betrieb in der Programmierung auf Zeichnungen basierende Kundenaufträge für CNC-gesteuerte Laserschneidmaschinen um und kann so sein Know-how und seine beruflichen Erfahrungen voll einbringen. Die Unternehmensleitung ist mit seiner Arbeit durchweg zufrieden: „Uns kommt es auf Fachlichkeit, Engagement und Teamfähigkeit an“, so Geschäftsführer Thomas Benken. „Das Alter ist nicht entscheidend. Wenn die Eignung stimmt, würde ich auch einen 60-jährigen einstellen."

Ein neuer Weg

Als Friseurin wollte Viktoria Bergweiler beruflich in die Fußstapfen ihrer Mutter treten. Dann tritt bei ihr eine schwerwiegende Kontaktallergie auf. 

Viktoria Bergweiler
Bruch im Lebenslauf

Eine Verletzung am Sprunggelenk hatte für Sebastian Zimny. weitreichende Folgen: Als Dachdecker konnte er nicht länger arbeiten.

Sebastian Zimny
Vom Koch zum Fachberater

Mehr als 30 Jahre hat Roland Angermann als Koch dafür gesorgt, dass es seinen Gästen schmeckt. Stehen, laufen, heben, das ging wortwörtlich auf die Knochen.

Roland Angermann

Einen neuen Weg eingeschlagen

Schon immer wusste Victoria Bergweiler, dass sie als Friseurin in die Fußstapfen ihrer Mutter treten wollte. Doch während ihrer Ausbildung tritt eine schwerwiegende Kontakt­allergie auf – eine sogenannte Berufskrankheit.

Wenn sie an ihre Ausbildungszeit im Salon zurückdenkt, sind ihr schmerzende Hände und Arme in Erinnerung, da ihre Haut auf Shampoos und Haarfärbungen allergisch reagiert. Trotz ihrer Beschwerden kämpft sie sich durch – auch wenn sie weiß, dass sie nie in ihrem gerade erst erlernten Beruf arbeiten kann. „Meinen Kindheitstraum, als Friseurin zu arbeiten, aufzugeben, das war für mich unglaublich schwer.“

Auf Anraten der Berufsgenossenschaft stellt sie den Antrag auf eine berufliche Rehabilitation und orientiert sich nach der Berufsfindung im BFW Oberhausen neu: „Eine betriebliche Umschulung zur Restaurantfachfrau ist genau das Richtige für mich. Da stehe ich vor Ort bei meinem zuküftigen Arbeitgeber in engem Kundenkontakt.“ Bei ihrer Arbeit im Restaurant vermeidet sie die Berührung mit Flüssigkeiten, auf die ihre Haut allergisch reagiert.

Ihre Ausbildungszeit als Friseurin war für sie trotz allem nicht umsonst: „Im Salon habe ich gelernt, die Wünsche meiner Kunden schnell zu erkennen. Meine Menschenkenntnis hilft mir auch im Restaurant, wenn ich meine Gäste berate und bediene“, sagt sie zufrieden und bereitet sich mit vollem Einsatz auf ihre Abschlussprüfung im kommenden Jahr vor.

Bruch im Lebenslauf

„Die großen Verletzungen holt man sich immer bei einfachen Einheiten“, schimpft Sebastian Zimny 2010 hat sich der vereinsaktive Badmintonspieler im Training gleich mehrfach das Sprunggelenk gebrochen. Für den gelernten Dachdecker fatal: „Ich kann zwar wieder normal gehen, aber das Tragen schwerer Lasten ist tabu.“

Zwei Jahre hat es gedauert, bis sein Antrag auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben genehmigt wurde. „Wäre ich nicht hartnäckig geblieben, würde ich wahrscheinlich heute noch warten“, sagt der 33-Jährige.

„Ich kann nur jedem raten, der sich in einer ähnlichen Situation befindet, nicht aufzugeben, auch wenn ich am eigenen Leib erfahren habe, wie frustrierend so ein Prozess sein kann.“ Immerhin konnte er die Wartezeit nutzen, um sich für den Beruf des NC-Anwendungsfachmanns zu entscheiden, der im BFW Dortmund ausgebildet wird. Noch bevor er das Ergebnis seiner Abschlussprüfung kannte, hatte er einen neuen Job – den er zwei anderen Angeboten vorgezogen hat. „Ein echtes Luxusproblem. Nach dieser anstrengenden Phase, die das Bankkonto, meine Beziehungen und meine Kraft arg strapaziert hat, tat das richtig gut. Mein neuer Job ist abwechslungsreich. Und als Dachdecker weiß ich zu schätzen, wenn man im Warmen und Trockenen arbeiten kann.“

Vom Koch zum Küchenfachberater

Mehr als 30 Jahre hat Roland Angermann als Koch dafür gesorgt, dass es seinen Gästen schmeckt. Als sein Körper das nicht mehr mitmachte, empfahl ihm sein Reha-Berater eine Qualifizierung im BFW Dortmund zum Einrichtungsberater für Küchentechnik.

„In der Hochsaison habe ich oft bis zu 12 Stunden in der Küche gestanden.“ Stehen, laufen, heben, Hitze, Feuchtigkeit, das geht wortwörtlich auf die Knochen. Als die Schmerzen zu stark wurden, suchte er einen Arzt auf – die Diagnose war niederschmetternd: „Arthrose, da kann man nichts machen.“ Roland Angermann arbeitete weiter, bis die Beschwerden so schlimm wurden, dass er eine neue Hüfte brauchte. Nach der medizinischen Reha war klar: Als Koch würde der damals 55-Jährige nicht mehr arbeiten können.

„Das zieht einen erst mal richtig runter. Aber für die Rente fühlte ich mich zu jung, zumal die auch zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel gewesen wäre.“ Hilfe fand er bei seinem Rentenversicherer, der DRV Westfalen: Sein Reha-Berater empfahl ihm eine Qualifizierung im BFW Dortmund zum Einrichtungsberater für Küchentechnik. „Von der Küche in die Küche – das ist doch ein schöner Gedanke. Da kann ich mein Wissen noch weitergeben und bin in meinem Metier.“

Acht Monate dauerte die Weiterbildung, dann hatte Roland Angermann sein Zertifikat in der Hand, um in einem Einrichtungshaus professionell Küchen zu planen und zu verkaufen. „Ich freue mich, wenn ich Kunden Multifunktionsbacköfen und andere küchentechnische Geräte erklären kann, mit denen ich jahrelang gearbeitet und Erfahrungen gesammelt habe.“

Alleinerziehend durchgestartet

Umschulung als Alleinerziehender – wie soll das denn gehen? Das fragte sich auch Salvatore Caruso, als seine Reha-Berater ihm eine neue Ausbildung empfahlen.

Salvatore Caruso

Alleinerziehender Vater startet neu durch

„Nach über 20 Jahren Berufstätigkeit noch einmal bei Null anzufangen und etwas ganz Neues zu lernen, das ist an sich schon nicht einfach. Aber mit Kind erst recht, wenn man beidem wirklich gerecht werden will.“

Doch Salvatore Caruso wagte den Balanceakt – mit Unterstützung des BFW: „Ob privat oder schulisch, es war immer jemand für uns da. Alleine hätte ich das nicht geschafft.“ Während er für seine berufliche Zukunft büffelte, war sein elfjähriger Sohn in der nahe gelegenen Ganztagsschule gut untergebracht.

„Abends haben wir dann zusammen die Freizeitangebote des BFW genutzt und sobald mein Sohn im Bett war, habe ich wieder gelernt. Oft bis spät in die Nacht.“ Das zahlte sich aus: „Wegen der guten Prüfungsergebnisse schlug man mir vor, in die Ausbildung zum Industriekaufmann umzusteigen.“ Und die meisterte Salvatore Caruso mit Bravour: Schon vor dem Abschluss hatte der heute 43-Jährige einen Arbeitsvertrag in der Hand. „Mir war klar, dass das meine letzte Chance ist und die habe ich wahrgenommen! Ich war zwar oft ganz schön erschlagen, aber mein Sohn war immer der Antrieb für mich, weiterzumachen. Denn wer nicht kämpft, hat schon verloren.“

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