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Rückkehr in den Beruf nach Krankheit oder Unfall

Banner: Rechtsexperten beraten zur beruflichen Rehabilitation
Ihr gutes Recht
Arbeitsmarkt- und Rechtexperten beantworten
Fragen zur beruflichen Reha

Gut beraten

Wer nach Krankheit oder Unfall nicht mehr in seinen alten Beruf zurück kann, hat einen Anspruch auf eine berufliche Rehabilitation. Doch oft entstehen im laufenden Antragsprozess Hürden, die Fragen aufwerfen. Unsere Arbeitsmarkt- und Rechtexperten beantworten Fragen zu Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben.

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Bin ich mit 53 Jahren zu alt für eine berufliche Reha?
Meine Angestellte ist nach einem Unfall eingeschränkt. Gibt es Möglichkeiten, ihr Know-how zu erhalten?
Seit vier Jahren beziehe ich Erwerbsminderungsrente, fühle mich nun aber fit genug, wieder am Arbeitsleben teilzunehmen.

Findest Du wirklich, du gehörst schon zum „alten Eisen“? Nein, ganz sicher nicht! Auch mit 53 kannst du eine berufliche Reha beantragen. Die Angebote der Berufsförderungswerke machen einen beruflichen Neuanfang oder eine berufliche Neuorientierung auch in deinem Alter möglich.

Und jeder Arbeitgeber kann sich glücklich schätzen, eine Mitarbeiterin mit deiner Berufs- und Lebenserfahrung zu seiner Belegschaft zu zählen.

Portrait von Dominik Herzog

Dr. Dominik Herzog
Rechtsanwalt und Kabarettist

„Mit den Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben soll die Erwerbsfähigkeit erhalten bzw. wiederhergestellt werden. Es ist erfreulich, wenn Sie als Arbeitgeberin Ihre Mitarbeiterin weiter beschäftigen möchten, um damit den Arbeitsplatz und das Know-how Ihrer Mitarbeiterin trotz gesundheitlicher Einschränkung zu erhalten.

Wenn Ursache der gesundheitlichen Einschränkung ein Unfall ist, dann sollten Sie sich an die Berufsgenossenschaft wenden und sich beraten lassen, welche Unterstützungsmöglichkeiten es gibt und für Ihre konkrete betriebliche Situation sinnvoll sind. Wenn Schwerbehindertenstatus vorliegt, können Sie sich an Ihr Integrationsamt wenden, das ergänzend Leistungen der Begleitenden Hilfe im Arbeitsleben anbieten kann.“

„Wenn sich Ihr gesundheitlicher Zustand wieder so gebessert hat, dass Sie sich in der Lage sehen, wieder zu arbeiten, sollten Sie zunächst mit Ihrem Arzt sprechen. Wenn Ihr Arzt das genauso sieht, könnte zum Beispiel eine stufenweise Wiedereingliederung eine sinnvolle Maßnahme für eine Rückkehr ins Arbeitsleben sein.

Wenn Sie das alles bereits geprüft haben und feststeht, dass Sie wieder voll arbeiten werden, dann reicht eine Mitteilung an die Rentenversicherung, ab welchem Zeitpunkt Sie wieder voll arbeiten werden.“

Kann ich auch aufgrund meiner Suchtkrankheit Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben beantragen?
Soll oder muss ich meinen Arbeitsvertrag kündigen, wenn ich einen Antrag auf LTA gestellt habe?
Ich habe schonmal eine Umschulung gemacht. Kann ich trotzdem nochmal eine berufliche Reha beantragen?

„Auch Suchtkranke können einen Anspruch auf Maßnahmen der beruflichen Rehabilitation haben, wenn die Erkrankung zu körperlichen oder seelischen Einschränkungen geführt

hat, durch die die bisherige berufliche Tätigkeit nicht mehr ausgeübt werden kann. Der Antragstellung sollte eine ärztliche Stellungnahme beigefügt werden.“

„Auf keinen Fall sollte man seinen Arbeitsvertrag kündigen. Die Antragstellung sagt ja noch nichts darüber aus, ob und mit welcher Leistung zur Teilhabe am Arbeitsleben der Antrag bewilligt wird. Berücksichtigt werden muss, dass der Reha-Träger Übergangsgeld in der Regel erst ab dem tatsächlichen Beginn der Maßnahme zahlt. Um sicherzustellen, dass keine Sperrzeit wegen Eigenkündigung erfolgt,

ist auch im Falle der Bewilligung die Rücksprache mit der Arbeitsagentur erforderlich. Tarifverträge können ebenfalls besondere Regelungen enthalten, nach denen bei Beginn einer Leistung zur Teilhabe am Arbeitsleben keine Kündigung notwendig ist, sondern das Arbeitsverhältnis lediglich durch Beurlaubung ohne Arbeitsentgelt stillgelegt wird.“

„Das ist grundsätzlich möglich. Allerdings bedarf es medizinischer Nachweise, warum die Tätigkeit im damals umgeschulten Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich ist. In diesen Fällen kann sich ein erneuter Anspruch auf „Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben“ ergeben. Dies bedeutet allerdings nicht, dass dann automatisch eine

zweite Umschulung finanziert wird. Die Palette der Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben ist breit gefächert und unter Umständen wird lediglich eine Weiterbildung oder Qualifizierungsmaßnahme gefördert, mit deren Hilfe man seine Chancen auf einen gesundheitlich geeigneten Arbeitsplatz verbessern kann.“

Haben Menschen mit Migrationshintergrund auch Zugang zu Maßnahmen der beruflichen Reha?
Mir wurde ein Eingliederungszuschuss bewilligt. Welche Unterstützung bietet mir das?
Mein Reha-Träger hat meinen Antrag auf Teilhabeleistungen abgelehnt. Was muss ich beim Widerspruch beachten?

„Natürlich können auch Menschen mit Migrationshintergrund einen Antrag auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben stellen, wenn sie aus gesundheitlichen Gründen Ihren Beruf nicht mehr ausüben können. Entscheidend für den rechtlichen Anspruch ist nicht der Migrationshintergrund, sondern, ob die sozialversicherungs-
rechtlichen Voraussetzungen erfüllt werden,

also die Mitgliedschaft in der Renten-, Unfall- oder Arbeitslosenversicherung und ob der gewöhnliche Aufenthaltsort in Deutschland ist – dies trifft für die meisten Menschen mit Migrationshintergrund zu, ist aber nicht der Fall bei Asylsuchenden, Geduldeten und Personen, die ohne Aufenthaltstitel in Deutschland leben.“

„Das bedeutet, dass Ihr Arbeitgeber einen befristeten Zuschuss bekommt, um auszugleichen, dass Sie aufgrund Ihrer Krankheit oder Behinderung vielleicht nicht mehr die volle Leistung erbringen können – der Reha-Träger beteiligt sich also an

Ihren Gehaltskosten. Der Zuschuss kann an Ihren alten Arbeitgeber für eine innerbetriebliche Umsetzung gezahlt werden oder an einen neuen, der vielleicht erst eine entsprechende Stelle schafft, auch weil er die Unterstützung bekommt.“

„Zum einen müssen Sie auf jeden Fall die Widerspruchsfrist beachten. Innerhalb eines Monats müssen Sie bei der Behörde, die den Ablehnungsbescheid erlassen hat, Widerspruch einlegen. In Ihrer Begründung sollten Sie auf jeden Fall auf die Ablehnungsgründe des Reha-Trägers eingehen und diese widerlegen. Es muss deutlich werden, warum Sie in Ihrem bisherigen Beruf

nicht mehr arbeiten können. Oft hilft hier eine ausführliche Stellungnahme von Ihrem Arzt. Unterstützung bieten zudem unabhängige Beratungsstellen, wie zum Beispiel die Sozialverbände, die Ihnen sicher auch noch wertvolle Tipps geben können, wie Sie den Widerspruch in Ihrem ganz konkreten Fall begründen können.“

Menschen, die lange erkrankt sind, haben oft Angst, dass ihnen gekündigt wird. Ist das überhaupt erlaubt?
Viele Arbeitgeber würden gerne Menschen mit Handicap integrieren, wissen aber nicht wie. Was hilft da?
Haben auch gesundheitlich eingeschränkte Hartz IV-Empfänger einen Anspruch auf berufliche Rehabilitation?

„Eine Kündigung wegen Krankheit ist grundsätzlich möglich, unterliegt aber hohen Hürden. Zulässig ist eine krankheitsbedingte Kündigung, wenn sich die Erkrankung für den Betrieb negativ auswirkt, z.B. durch erhebliche Fehlzeiten. Bei Abwägung der privaten Interessen des Arbeitnehmers und der betrieblichen Interessen des Arbeitgebers ist eine Weiterbeschäftigung dann nicht zumutbar. Das Bundesarbeitsgericht hat hier sehr hohe Anforderungen gestellt. So muss zum Zeitpunkt des Ausspruchs der Kündigung u.a. eine negative Prognose hinsichtlich der in Zukunft zu erwartenden Fehlzeiten vorliegen.

Außerdem darf es keine anderen Möglichkeiten als die Kündigung geben, insbesondere keine Weiterbeschäftigungsmöglichkeiten zu geänderten Bedingungen an einem anderen Arbeitsplatz und keine Wiedereingliederungs- bzw. Rehabilitationsmaßnahmen. Laut § 84 SGB IX muss der Arbeitgeber stattdessen im Rahmen des betrieblichen Eingliederungsmanagements die Ursachen der Erkrankungen beseitigen oder den Arbeitnehmer entsprechend seinen gesundheitlichen Einschränkungen einsetzen. Beratung bieten hierzu u. a. die Berufsförderungswerke an.“

„Für Unternehmen und potenzielle Beschäftigte kann es sinnvoll sein, zunächst ein Praktikum oder eine Beschäftigung auf Probe zu vereinbaren. Arbeitgeber können dafür eine finanzielle Unterstützung durch die jeweilige Arbeitsagentur oder das zuständige Integrationsamt erhalten. So können die Personalkosten übernommen und weitere Leistungen zur Abgeltung außergewöhnlicher Belastungen in Anspruch genommen werden. Weitere Fördermittel für Arbeitgeber sind Eingliederungsbeihilfen und Ausbildungszuschüsse zur betrieblichen

Ausführung von Bildungsleistungen, aber auch Arbeitshilfen im Betrieb werden subventioniert. Inklusion in der Arbeitswelt ist eine Chance für alle Beteiligten. Sie ist nicht nur gesellschaftspolitisch richtig und wichtig, sondern aufgrund der demografischen Entwicklung für Arbeitgeber betriebswirtschaftlich sinnvoll und volkswirtschaftlich notwendig. Menschen mit Behinderung sind – richtig eingesetzt – voll leistungsfähige Mitarbeiter. Eine Behinderung ist nicht gleichzusetzen mit einer Leistungsminderung.“

„Die Bundesagentur für Arbeit ist auch Reha-Träger für die Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben für behinderte erwerbsfähige Leistungsberechtigte nach dem SGB II, sofern nicht ein anderer Reha-Träger zuständig ist. Sie stellt den Reha-Bedarf im Einzelnen fest und übermittelt den Jobcentern einen Eingliederungsvorschlag. Diese sind für die konkrete Leistungsbewilligung zuständig.

Im Übrigen gilt, dass Leistungsberechtigte ergänzend Arbeitslosengeld II erhalten können. Voraussetzung ist, dass sie aufgrund gesundheitlicher Beeinträchtigungen ihrer Erwerbstätigkeit zunächst nicht in vollem Umfang nachgehen können und deshalb ein Erwerbseinkommen erzielen, mit dem der Lebensunterhalt nicht vollständig sichergestellt werden kann. Diese Leistungen nach dem SGB II sind beim Jobcenter zu beantragen.“

Wie und vor allem wo erhalten Betroffene diese vom Gesetzgeber geschaffenen Leistungen?
Was raten Sie Betroffenen, die durch Krankheit oder Behinderung von Arbeitslosigkeit bedroht sind?
Wie sehen Maßnahmen aus, die den Weg zurück in den Beruf ebnen sollen?

„Die Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben können bei den zuständigen Rehabilitationsträgern beantragt werden. Dies ist in der Regel der zuständige Träger der Rentenversicherung, sofern die persönlichen (gesundheitlichen) und

versicherungsrechtlichen Voraussetzungen vorliegen, oder die Bundesagentur für Arbeit. Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben können auch bei den Gemeinsamen Servicestellen beantragt werden.“

„Wichtig ist zunächst eine frühzeitige, fachkundige Beratung. Denn auch wenn eine Behinderung noch nicht vorliegt, sondern „nur“ droht, haben Betroffene einen Rechtsanspruch auf berufliche Rehabilitation (§ 33 SGB IX): Diese sogenannten „Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben“ sollen die Erwerbsfähigkeit erhalten, verbessern, herstellen oder wiederherstellen. Das kann zum Beispiel eine Umsetzung im Betrieb in Kombination mit einer beruflichen Weiterbildung sein – nicht selten kann ein noch vorhandener Arbeitsplatz auch durch eine entsprechende Hilfsmittelausstattung erhalten werden.

Wenn es aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich ist, im bisherigen Beruf zu arbeiten, dann kann eine berufliche Weiterbildung in Form einer Umschulung notwendig sein. Speziell für erwachsene behinderte Menschen, die ihren erlernten Beruf oder ihre bisherige berufliche Tätigkeit nicht weiter ausüben können, wurden Berufsförderungswerke eingerichtet. Diese außerbetrieblichen Bildungsreinrichtungen dienen vorrangig der Qualifizierung und Umschulung von Menschen mit Behinderungen, damit diese dauerhaft eine Chance auf dem Arbeitsmarkt bekommen.“

„Grundsätzlich kann man sagen, dass diese Maßnahmen oder Maßnahmeketten bunt aussehen. So vielfältig, wie die Biografien der Betroffenen sind, so unterschiedlich können die Maßnahmen aussehen. Dazu gehören zum Beispiel auch individuell an den Bedarf des

Einzelnen angepasste Aus- und Weiterbildungen in Berufsförderungswerken. Die einzelnen Rehabilitationsträger beraten den Betroffenen im Einzelfall und ermitteln mit ihm den eigenen Bedarf.“

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